Beratung
Welche Beratungsformate sich für welche Aufgaben eignen
Onlineberatung beruht auf virtueller Interaktion zwischen Klientinnen und Beraterinnen.
Face-to-face, online oder hybrid: die Formate im Überblick
Onlineberatung beruht auf virtueller Interaktion zwischen Klientinnen und Beraterinnen. Nach der Beschreibung der ARGE Bildungsmanagement in Wien weist sie Unterschiede und Gemeinsamkeiten mit der Face-to-face-Beratung auf, was Setting, Einsatzmöglichkeiten und Dynamik betrifft – genau diese drei Kriterien entscheiden, welches Format zu einer Aufgabe passt.
Persönliche Beratung ist dort angezeigt, wo Verfahren und Institutionen den direkten Kontakt vorsehen. Für Ansiedlung und Gewerbeimmobilien verweist die Stadt Innsbruck auf das Referat Beteiligungen und Wirtschaft – Betriebsansiedlung und Gewerbeimmobilien: Dessen Mitarbeiter:innen sind Ansprechpartner:innen zwischen Politik, Verwaltung und Wirtschaft und stehen im ständigen Austausch mit den Unternehmer:innen; Termine werden telefonisch vereinbart. Gewerbeanmeldung und eine allfällige Betriebsanlagengenehmigung laufen über eigene Verfahren der Stadt Innsbruck, also über Stellen, die man aufsuchen oder kontaktieren kann.
Hybride Modelle verbinden Präsenz mit digitalen Elementen: Ein Diplomlehrgang der ARGE Bildungsmanagement findet als Präsenzunterricht bzw. interaktiver Livestream in Kombination mit Blended Learning statt, eine Jour-fixe-Veranstaltung derselben Einrichtung als Livestream via Zoom. Sinnvoll ist diese Mischung, wenn Inhalte über Text und Bild vermittelt werden können und nur einzelne Termine – etwa für Behördenwege, Verhandlungssituationen oder Gruppenarbeit – Präsenz brauchen.
Erstgespräch und Ideenklärung: wenn die Gründungsidee noch offen ist
Die Universität Innsbruck hält für Gründungsinteressierte ein Erstgespräch von zwei Stunden bereit. Gründungsberater Dr. Holger Bock kann auf 25 Jahre persönliche Startup-Erfahrung aufbauen und wird zusätzlich vom Team der Transferstelle unterstützt. Bereits in diesem zweistündigen Erstgespräch lassen sich die Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken der Geschäftsidee gut herausarbeiten, und es wird geklärt, ob und wie es sinnvoll ist, die Idee weiterzuverfolgen.
Ein solches Gespräch setzt kein fertiges Konzept voraus, sondern eine offene Ausgangslage: Know-how oder eine Idee auf der einen Seite, viele Fragen und Bedenken auf der anderen. Zur Erstorientierung gehört auch die Frage der grundsätzlichen Eignung – der Gründerservice der Wirtschaftskammer stellt dafür einen Test bereit, ob man als Unternehmer:in geeignet ist, und informiert zu Businessplan, Gewerbeanmeldung, Sozialversicherung, Steuern, Finanzierung und Förderungen.
Ob dieses Erstgespräch vor Ort oder videobasiert stattfindet, ändert am Ergebnis wenig, solange beide Seiten ungestört und mit ausreichend Zeit arbeiten können. Mehrstündige Blöcke sind für diese Aufgabe besser geeignet als kurze Termine, weil erst im Durchdenken der Idee sichtbar wird, wo Annahmen tragfähig sind und wo nicht.
Businessplan, Geschäftsmodell und Finanzplanung: strukturierte Einzelbegleitung
Für den Aufbau eines tragfähigen Konzepts listet die Gründungsberatung der Universität Innsbruck jene Themen, die laufend in Einzelterminen bearbeitet werden: Durchdenken, Strukturieren und Umsetzen der Geschäftsidee auf Basis der gängigen Startup-Denk-Tools, Mitausarbeiten des besten Problem-Lösung-Kunden-Fits, Mitentwickeln des geeigneten Geschäftsmodells, Miterstellen einer Finanzplanung sowie Unterstützung beim Erstellen von Businessplänen bzw. Unternehmens-Präsentationen (Pitch-Decks). Dazu kommen Beratung zu Verträgen mit Geschäftspartner:innen und zu Herausforderungen beim Teamwork bzw. Teambuilding.
Diese Punkte bauen aufeinander auf und verändern sich mit jedem Zwischenergebnis: Ein veränderter Problem-Lösung-Kunden-Fit schlägt auf das Geschäftsmodell durch, dieses auf die Finanzplanung, diese auf den Businessplan und das Pitch-Deck. Deshalb passt hier eine laufende Einzelbegleitung – vor Ort oder online – besser als ein einmaliger Workshop. Einzeltermine sind auch deshalb naheliegend, weil Umsatzerwartungen, Kalkulationen und interne Streitfragen nicht in eine Gruppe gehören.
Förderungen und Finanzierung: persönliche Beratung mit Schnittstellen zu Fördergebern
In Österreich bieten die Republik Österreich und das Land Tirol finanzielle Hilfe, Prämien, Zuschüsse sowie Unterstützung bei Behördenverfahren an; die Stadt Innsbruck fördert Wirtschaftsbetriebe mit der Arbeitsplatzprämie der Stadt Innsbruck. In Innsbruck besteht dafür ein dichtes Netz an Beratungs- und Fördereinrichtungen, darunter das Referat Beteiligungen und Wirtschaft, tip-right, das Referat Gewerbe und Betriebsanlagen, die Wirtschaftskammer Tirol, das Wirtschaftsförderungsinstitut (WIFI) Tirol, die Standortagentur Tirol, die Industriellenvereinigung Tirol, die Arbeiterkammer Tirol sowie Angebote von Republik Österreich und Land Tirol.
Förder- und Finanzierungsfragen sind Schnittstellenthemen: Die Gründungsberatung der Universität Innsbruck berät zu Finanzierung durch Förderungen und/oder Investor:innen, gestaltet Förderanträge aktiv mit und vernetzt mit passenden Partnern, Mentoren, Spezialisten, Fördergebern und Investoren. Wer einen Antrag einreicht oder mit Investor:innen spricht, braucht Rückfragen in Echtzeit, Einsicht in Unterlagen und die Möglichkeit, Termine kurzfristig wahrzunehmen – das spricht für persönliche oder hybride Termine statt rein schriftlicher Kommunikation. Für die Antragstellung selbst sind die Vorgaben der jeweiligen Förderstelle maßgeblich; hilfreich ist ein Termin bei der zuständigen Einrichtung, bevor Unterlagen eingereicht werden.
Wichtige Förderschritte in Tirol für Gründer:innen
- Republik Österreich – Gründungsfinanzierung — Kreditgarantien, Zuschüsse über das Bundesministerium für Wirtschaft und digitale Transformation
Netzwerkaufbau und Austausch: Gruppen-, Workshop- und Vernetzungsformate
Vernetzung ist eine eigene Beratungsaufgabe: Die Gründungsberatung der Universität Innsbruck nennt das Vernetzen mit passenden Partnern, Mentoren, Spezialisten, Fördergebern und Investoren ausdrücklich als Leistung neben der inhaltlichen Arbeit am Konzept. Ebenso unterhalten der Gründerservice der Wirtschaftskammer und die Standortagentur Tirol ein umfangreiches Netzwerk für Gründer:innen und Wirtschaftstreibende; die Stadt Innsbruck bündelt auf ihrer Gründerseite, welche Beratungsstellen, Förderungen und Vernetzungsmöglichkeiten es am Standort gibt.
Wo es um viele Kontakte geht, ist das Einzelgespräch das falsche Format. Gruppen-, Workshop- und Vernetzungsformate bringen mehrere Gesprächspartner:innen gleichzeitig zusammen. In Tirol sind diese Anlaufstellen unter anderem der InnCubator, das Gründungs- und Innovationszentrum der Universität Innsbruck und der Wirtschaftskammer Tirol, die Startup.Tirol, die Tiroler Startups fördert und begleitet und die Startup-Player am Standort vernetzt, RESI, das Forscher:innen in Innsbruck mit Interesse an einem Karriereweg außerhalb der Wissenschaft vernetzt, das interdisziplinäre Entrepreneurship-Netzwerk Postdocs to Innovators (p2i) und das Entrepreneurship Center Network (ECN) als interdisziplinäres Entrepreneurship-Netzwerk österreichischer Universitäten und Fachhochschulen.
Für Einzelberatung bleibt daneben jener Teil, der nicht in die Runde gehört: die eigene Idee, konkrete Zahlen und vertrauliche Vertrags- oder Teamfragen. Der typische Ablauf ist daher zweistufig – Kontakte in Gruppenformaten gewinnen, die daraus entstehenden Fragen in Einzelterminen klären. Auch kurze, moderierte Gruppenformate am Abend sind dafür nutzbar: Die ARGE Bildungsmanagement führt ihre Jour-fixe-Termine von 18:00 Uhr bis etwa 19:30 Uhr als Livestream durch.
Onlineberatung: wann sie trägt und welche Kompetenzen sie braucht
Digitale bzw. Onlineberatung ist eine anerkannte Beratungsmethode im psychosozialen Feld; sie ermöglicht Beraterinnen die Nutzung neuer Medien für erweiterte Kommunikationsformen im Internet und schafft neue, differenzierte Kommunikationsräume. Für die verantwortungsvolle Nutzung ist laut ARGE Bildungsmanagement eine spezielle Ausbildung in Online-Beratungskompetenz erforderlich. Der Diplomlehrgang „Digitale Beratung: online beraten“ dauert ein Semester, umfasst fünf Workshopmodule und schließt mit dem Diplom „Zertifizierter Online Berater*in“ ab; die Module sind teilweise auch als Einzel-Workshops buchbar, das Lernformat ist Präsenzunterricht bzw. interaktiver Livestream in Kombination mit Blended Learning.
Zu den vermittelten Kompetenzen gehören das Erkennen situativer Chancen und Grenzen der Vielfalt an Beratungstools und -zugängen, erweiterte Lesemöglichkeiten und Handlungskompetenzen von Sprache, Text und Bild in der Online-Kommunikation, ein trainierter visueller wie akustischer Wahrnehmungskanal, die Fähigkeit, anders, empathisch und zwischen den Zeilen zu lesen bzw. zu hören, sowie ein eigenes Beratungskonzept inklusive Skizzierung der Homepage. Wer Onlineberatung nutzt, profitiert umgekehrt davon, wenn Unterlagen, Skizzen und Zahlen vorab schriftlich oder als Bild vorliegen: Die Beratung arbeitet dann mit sprachlichen und visuellen Informationen, nicht nur mit dem gesprochenen Wort.
Für welche Aufgaben sich das Format eignet: für terminliche Follow-ups zwischen längeren Einzelterminen, für die laufende Begleitung über Distanz und für ortsunabhängigen Austausch, wenn Beraterin und Klientin nicht am selben Ort sind. Weniger geeignet ist es dort, wo Körperkontakt, Einsicht in physische Unterlagen oder ein neutraler Raum vor Ort Teil der Aufgabe sind – etwa bei moderierten Gesprächen mit mehreren Beteiligten, die einen abgeschirmten Rahmen brauchen.
Team, Konflikte und Zusammenarbeit: moderierte Beratungs- und Mediationsformate
Herausforderungen beim Teamwork und Teambuilding sind in der Gründungsberatung der Universität Innsbruck ausdrücklich als Beratungsthema genannt; sie treten typischerweise an der Schnittstelle von Rollen, Erwartungen und Verantwortlichkeiten auf und betreffen nicht nur die Geschäftsführung, sondern alle Beteiligten.
Mediation setzt hier an. Sie wird oft als Brücken bauen beschrieben: Konflikte sind immer auch Gelegenheiten, sich selbst besser kennenzulernen, weil sie an Grenzen führen – im Außen, wenn etwas nicht weitergeht, und im Innen, wenn persönliche Grenzen erreicht werden. Durch Fragen und aktives Zuhören unterstützen Mediatorinnen die Beteiligten, ihre eigene Sichtweise, ihre Bedürfnisse und Werte zu klären und auszudrücken. Die Mediation ist bei der Suche nach Lösungen an den Ressourcen und individuellen Möglichkeiten der Mediandinnen orientiert und kann so dazu beitragen, deren konstruktive Fähigkeiten wieder zu erkennen und zu bestärken.
Rechtlich ist Mediation im Rahmen der Gerichtsbarkeit ein wesentlicher Bestandteil des geltenden Rechtskanons; das Zivilrechts-Mediations-Gesetz (ZivMediatG) bildet dafür die wesentliche Grundlage auf nationaler Ebene, daneben bestehen Regelungen auf EU-Ebene. Wer Mediation in Anspruch nimmt, sollte auf die Qualifikation achten – als Vortragende für Mediationsthemen tritt etwa eine eingetragene Mediatorin auf, die zugleich Juristin, traumazentrierte Fachberaterin und psychosoziale Beraterin ist. Für die Sitzungen selbst braucht es einen geschützten Rahmen, in dem Spannungen gehalten werden können; auch die Begleiter*innen benötigen dafür einen guten Kontakt zu sich selbst, weil sie den Raum offenhalten müssen.
Bildung, Qualifizierung und Berufsweg: eigenes Beratungssystem nutzen
Bildungs- und Berufsberatung ist in Österreich ein eigenes Feld: Es gibt zwei etablierte Systeme der Bildungs- und Berufsberatung, die in Austausch zueinander stehen. Sie ist damit die richtige Anlaufstelle für Fragen der Qualifizierung, der Umorientierung und des Kompetenzaufbaus – also für Entscheidungen über Aus- und Weiterbildung und über die eigene berufliche Richtung, nicht für die Bewertung eines Geschäftsmodells oder die Erstellung einer Finanzplanung.
Mit der Gründungs- und Unternehmensberatung überschneidet sich dieses Feld dort, wo Qualifikation zur Voraussetzung für ein Vorhaben wird. In Innsbruck gehören das Wirtschaftsförderungsinstitut (WIFI) Tirol und die Arbeiterkammer Tirol zum Netz der Beratungs- und Fördereinrichtungen, die die Stadt Gründungsinteressierten nennt. Wer eine gewerbliche Tätigkeit anstrebt, findet beim Gründerservice der Wirtschaftskammer Informationen zu Gewerbeanmeldung, Sozialversicherung, Steuern, Finanzierung und Förderungen – also zu jenen Rahmenbedingungen, die den Qualifizierungsbedarf mitbestimmen.
Für den Berufsweg außerhalb einer Gründung gibt es eigene Netzwerke: RESI vernetzt Forscher:innen in Innsbruck, die sich für einen Karriereweg außerhalb der Wissenschaft interessieren; p2i und das Entrepreneurship Center Network (ECN) sind interdisziplinäre Entrepreneurship-Netzwerke österreichischer Universitäten und Fachhochschulen. Für den reinen Weiterbildungsbedarf im Beratungsbereich selbst bietet die ARGE Bildungsmanagement berufsbegleitende Diplomlehrgänge an – ein Beispiel dafür, dass Bildungs- und Berufsberatung und die Ausbildung von Berater*innen unterschiedliche Leistungen sind.
Aufgaben und passende Formate auf einen Blick
Ideenklärung, wenn noch offen ist, ob eine Idee weiterverfolgt wird: zwei- bis mehrstündiges Erstgespräch, persönlich oder videobasiert. Strukturieren der Geschäftsidee, Problem-Lösung-Kunden-Fit, Geschäftsmodell, Finanzplanung, Businessplan und Pitch-Deck, Verträge mit Geschäftspartner:innen: laufende Einzelberatung, vor Ort oder online. Förderungen, Zuschüsse, Investor:innen, Förderanträge: persönliche oder hybride Beratung mit direktem Kontakt zu Förderstellen und Spezialist:innen. Partner, Mentor:innen, Spezialist:innen, Fördergeber, Gleichgesinnte finden: Gruppen-, Workshop- und Vernetzungsformate. Laufende Begleitung über Distanz, Follow-up zwischen Terminen, ortsunabhängiger Austausch: Onlineberatung mit dafür ausgebildeten Berater*innen. Teamspannungen und Zusammenarbeitsfragen: Mediation bzw. moderierte Gespräche mit geschütztem Rahmen. Qualifizierung, Umorientierung und Kompetenzaufbau: Bildungs- und Berufsberatung.
Für die Entscheidung zwischen den Formaten sind vier Fragen hilfreich. Erstens das Setting: Braucht es einen Raum vor Ort, zum Beispiel für Behördenwege oder moderierte Gespräche mit mehreren Beteiligten, oder genügen Sprache, Text und Bild? Zweitens die Dynamik: Ist ein Gegenüber gefragt oder eine Runde, in der Kontakte entstehen? Drittens die Kontinuität: Reicht eine einmalige Klärung, oder verändert sich die Fragestellung mit jedem Zwischenergebnis? Viertens Vertraulichkeit: Zahlen, Vertragsfragen und Konflikte gehören in ein Einzel- oder moderiertes Format, nicht in eine offene Gruppe.
Wo mehrere dieser Punkte gleichzeitig zutreffen, ist ein hybrider Ablauf die praktikabelste Lösung: Kontakte und Information in Gruppen- oder Onlineformaten, die vertraulichen und verfahrensrelevanten Schritte in persönlichen Terminen mit den zuständigen Stellen – vom Referat Beteiligungen und Wirtschaft über die Wirtschaftskammer Tirol und die Standortagentur Tirol bis zum Gründerservice und zur Gründungsberatung der Universität Innsbruck.